Europatag im Ratsgymnasium Stadthagen
- Montag, 27. Mai 2019
Wohin mit Europa? So wichtig dieses Thema ist, so sperrig ist es auch. Europa ist nicht „sexy“, Europa steht für Langeweile, Probleme, Gleichmacherei und Bürokratie, Europa ist das Projekt der Vergangenheit. Dies zumindest ist eine Haltung, die man als Lehrerin oder Lehrer nicht selten in der eigenen Schülerschaft findet. Wenige Schülerinnen oder Schüler sind wirkliche Europafeinde, aber noch weniger sind engagierte Europafreunde. Europa ist ihnen schlicht egal, es ist das Projekt der Eltern und Großeltern, etwas, das direkt nach dem Krieg wichtig war. Jetzt ist es halt da, aber im Grunde zählen andere Dinge.
Was soll man tun, insbesondere, wenn man – wie das Ratsgymnasium Stadthagen – Europaschule ist und diesen Titel als (Selbst-)Verpflichtung ansieht, Europa explizit zu lehren und zu leben?
Die jeweiligen Kapitel einschlägiger Lehrwerke sind oft mehr dazu geeignet, die Vorurteile hinsichtlich Langeweile, Problemen und Bürokratie zu schüren als eine Europabegeisterung hervorzurufen. Vorbilder müssen her – und dazu sind Lehrerinnen und Lehrer, insbesondere während einer gewissen Entwicklungsphase der Jugendlichen, nur begrenzt geeignet. „Wenn ihr bloß mal fünf oder zehn Jahre in die Zukunft schauen könntet und sähet, wie wichtig Europa für euch während eures Studiums, eurer Ausbildung, eures Berufseinstiegs sein wird!“, seufzt so manche Lehrkraft da verzweifelt. Kann man aber nicht. Leider.
Hier hat uns das Projekt „Wohin mit Europa?“ sehr geholfen, dessen Autorinnen und Autoren ein gleichnamiges Buch im Selbstverlag herausgegeben haben und die am 27.06.2019 im Ratsgymnasium Stadthagen für Europa warben. Man muss nicht das ganze Buch mit den Schülerinnen und Schülern gelesen haben, um von der Veranstaltung zu profitieren. Man muss auch nicht jede im Buch vertretene Auffassung uneingeschränkt teilen. Es reicht, sich anstecken zu lassen von der jugendlichen Energie, mit der die Autorinnen und Autoren, mehrheitlich Studierende am Ende ihrer Ausbildung, die Vorzüge Europas genießen und leben. Europa ist für sie ein Lebensgefühl, eine Chance, die sie einerseits selbstverständlich nutzen und andererseits – auch angesichts europakritischer Strömungen – nicht einfach als selbstverständlich nehmen. Die Referentinnen und Referenten waren unseren Schülerinnen und Schülern nah genug, um als Identifikationsfiguren dienen zu können, und zugleich fremd genug, um sie zum Nachdenken anzuregen. Sie haben Europa verinnerlicht und konnten genau diese Einstellung unserer Schülerschaft nahebringen. Ein echter Gewinn!